28.08.2012 // 21:00 Uhr
 

Hardcore trifft Dorf

Die Orientierungsphase ist vorbei. Mit ihrem ersten Album wollen „Down to Pleasure“ zeigen, dass sie ihren gemeinsamen Nenner gefunden haben.

Bislang haben die fünf Jungs aus Breidenbach und Umgebung ihre Songs fast ausschließlich über Internetplattformen wie etwa Facebook verbreitet. Zwar wird es der vorsichtigen Schätzung von Schlagzeuger Niklas Krug zufolge noch bis zu zwölf Monate dauern, ehe die Platte erscheint, einen Vorgeschmack liefert aber bereits „Village Idiot“, das neueste Werk der Band.

Band will mit eigenen Texten Emotionen rauslassen und Spaß haben

Einen treffenderen Titel hätten sich „Down to Pleasure“ oder kurz DTP kaum einfallen lassen können, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn alle fünf, das sind Schlagzeuger Niklas Krug (21), Bassist Lukas Schmidt (21), die beiden Gitarristen Nicolai Pitz (20) und Jan Meier-Henkel (19) sowie Sänger Tufan Turan (22), stammen aus dem hessischen Hinterland, das nicht gerade für seine florierende Hardcore-Szene bekannt ist. Genau diesem Genre mit Tendenz zu Punk und Metalcore haben sich DTP aber verschrieben.
Die Texte gehen komplett auf das Konto Tufan Turans, dem kreativen Kopf der Band. Am Hardcore schätze er vor allem dessen politische Seite. Mit seinen metaphorischen Texten wolle er keine in sich geschlossene Story erzählen, sondern Emotionen rauslassen. Da kann es durchaus vorkommen, dass Turan bei Konzerten das Publikum „Fuck you all!“ in Richtung aller „Menschen, die was gegen Minderheiten haben“ schreien lässt.  
Nur gut, dass DTP mittlerweile einen eigenen Proberaum haben. Nach der Gründung Ende 2010 spielten die fünf zunächst in der elterlichen Garage Turans und stießen mit ihrer Musik nicht immer auf Begeisterung in der Nachbarschaft. Über rein praktische Gründe hinaus, habe der Raum laut Turan aber auch symbolischen Charakter: Dies sei der Ort, an dem coole Songs entstehen, hier werde nicht immer nur geprobt, sondern auch mal diskutiert. Zum Beispiel über den gemeinsamen Nenner, den die Band zu finden  hofft. Immerhin spielen DTP in dieser Besetzung erst seit Juni dieses Jahres zusammen.
Die Themen der Band  stammen jedenfalls direkt aus dem Alltag  der Jungs: Rassismus, Intoleranz, Vorurteile, Spießertum. Indem daraus ein ganzes Album entsteht, setzt die Band einerseits auf Wiedererkennung, andererseits ist „Village Idiot“ auch selbstironisch, schließlich sind die Mitglieder alle Teil des Dorflebens.
Titel wie „Rape me, Bitch“ und „Creating my Lucifer“ zeigen die rebellische und gesellschaftskritische Seite des Hardcore,  zudem werden   lustige Elemente wie Jodelschreie integriert. Wenn die Band bei Liveauftritten mit dem Publikum zusammen Party mache, stehe nämlich der Spaß im Vordergrund, auch wenn es grundsätzlich eher darum gehe, seinen Standpunkt zu vertreten, als ein Massenpublikum zu finden. Dass die Hardcore-Szene im Hinterland nur spärlich vertreten ist, sehen die Bandmitglieder als Ansporn am Ball zu bleiben.
Wer „Down to Pleasure“ live erleben will, kann das am 22. September beim „Burnout Open Air“ in Offenbach.


Mehr Infos zur Band gibt es auf www.facebook.com/DTPofficial.

 
geschrieben von Eva Lorenz

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Lukas Schmidt, Niklas Krug und Tufan Turan (v. l.) in ihrem Proberaum. (Foto: Lorenz)
 
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